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 [Fan Fiction] Please Don´t Love Me

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heavenj
Nichkhuns Noona
Nichkhuns Noona
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Anzahl der Beiträge : 47
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Ort : Berlin

BeitragThema: [Fan Fiction] Please Don´t Love Me   Mi Feb 10, 2010 11:54 pm

„Komm schon, er ist kein Arschloch“, sagte Yuki. Eindeutig genervt, wie Chin Mae daran erkennen konnte, dass sie sich energisch eine Strähne ihres Haares aus dem Gesicht pustete.
„Ach nein, wie nennst du dann jemanden, der vor fünf Tagen versprochen hat anzurufen und bis heute nicht an sein beschissenes Handy gegangen ist?“
Chin Mae kickte die leere Getränkedose, die ihr vor die Füße gerollt war, die Straße hinunter. Es schepperte, als sie die Mülltonnen vor dem Imbiss traf und ein Hund bellte als Antwort auf den Lärm.

„Beschäftigt“, erwiderte Yuki auf die rhetorische Frage ihrer Freundin.
„Beschäftigt, beschäftigt. Er ist immer beschäftigt! Aber er war noch nie so beschäftigt, dass er keine Zeit mehr hatte, an mich zu denken!“
„Ich wette, er denkt an dich.“

Chin Mae schnaufte etwas und vergrub die Hände in den Hosentaschen.
„Du liebst ihn“, stellte Yuki fest.
„Ist doch bescheuert, jemanden zu lieben, mit dem man nicht zusammen sein kann. Eindeutig Verschwendung eines wertvollen Gefühls.“

Chin Mae ging die Stufen zum Haus hinauf und Yuki folgte ihr.
„2PM sind eine der heißesten Bands des Jahres. Was hast du also erwartet? Leb damit oder such dir jemanden, den du nicht teilen musst.“

„Ich kann ihn ja teilen, ich will nur…“

An diesem Punkt hörte Yuki auf ihrer Freundin zu zuhören. Sie kannte den Fortgang dieses Gesprächs: „Ich will, dass er zu mir steht. Ich will ihn auch mal sehen können, ohne mich vorher wie ein Verbrecher an abgelegene Orte geschlichen zu haben. Außerdem will ich wissen, ob er mich liebt.“

Yuki rollte mit den Augen und hörte erst damit auf, als Chin Mae fertig war.

„Du nervst“, sagte sie trocken. „Auf seine Art tut er wirklich alles, um dir zu gefallen und es dir recht zu machen.“
Yuki hätte mehr sagen können, zum Beispiel darüber, dass es Momente gab, in denen sie eifersüchtig war und Chin Mae ihren Freund nicht gönnte, aber sie schwieg und schaltete den PC ein.

„Sie sind wahrscheinlich nur super beschäftigt. Du solltest endlich anfangen, ihre Fanseiten zu besuchen.“

„Ich stalk doch nicht meinen Freund“, brummte Chin Mae und setzte sich auf die Matratze, auf der sie schlief, während sie Yuki in Tokio besuchte.

Yuki klickte eine der koreanischen Gossipseiten an und wollte gerade den Begriff 2PM in die Suchleiste eingeben, als ihr das Foto auf der Startseite auffiel.

„Ich glaub, die Jungs haben Ärger“, meinte sie, nachdem sie die Nachrichten und Kommentare überflogen hatte. Chin Mae hob die Augen, die vorher auf ihr Handy gestarrt hatten. „Jay findet Koreaner schwul.“ Yuki zuckte mit den Schultern, als sie den fragenden Blick sah. So ganz hatte sie selbst noch nicht begriffen, um was es ging. Chin Mae stand auf und wollte sich gerade an den PC setzen, als ihr Handy klingelte.

Sie gab einen kleinen Freudenschrei von sich und rannte aus dem Zimmer.

„Du findest Korea schwul?“ lachte sie in den Hörer.
Am anderen Ende blieb es still.
„Jay?“
Das Lachen in ihrer Stimme verschwand und wich Sorge, die wuchs während Jays Schweigen anhielt. Und dann schlug sie in Panik um.
„Ich verlasse Korea.“

Da war kein Gefühl in Jays Stimme. Nur Leere.
Chin Maes Kopf war ein riesiger Wattebausch. Irgendwo darin gab es Worte, aber sie ergaben keinen Sinn.
Ihr Herz versuchte eine Mauer zu bauen, um sich vor dem zu schützen, was gleich kommen würde, doch dann riss Jay ein großes Loch hinein.

„Mein Flug geht in vier Stunden. Es tut mir leid, Mae, ich denke nicht, dass wir uns so bald wiedersehen werden.“

Er legte auf, noch ehe sie ihre zittrige Stimme unter Kontrolle hatte. Sie wollte sich gegen die Wand lehnen und weinen, doch sie riss sich zusammen, rannte in Yukis Zimmer und begann hektisch ihre Sachen in die Tasche zu werfen.

„Was tust du?“
„Ich muss nach Seoul.“
„Jetzt?“
„Ja, jetzt!“ brüllte Chin Mae.
Schreien war gut, es vertrieb die Tränen.
„Du musst mich fahren, bitte.“
Bitten war schlecht. Mit ihm kamen die Tränen.
Yuki sprang auf und riss die Autoschlüssel vom Haken im Flur.

„Was ist passiert?“ wagte sie irgendwann zu fragen, als Chin Maes Tränen für den Moment versiegten.
„Jay muss Korea verlassen. Ich weiß nicht warum.“
Yuki ahnte warum. Während ihre Freundin auf dem Flur telefonierte, hatte sie sich durch die Seiten geklickt. In wenigen Sätzen brachte sie Chin Mae auf den aktuellen Stand.
„Er ist so ein Idiot!“ schnaufte Chin Mae.
„Er war 18 als er das geschrieben hat“, versuchte Yuki ihn in Schutz zu nehmen.
„Dann war er damals schon ein Idiot, herzlichen Glückwunsch.“

Sie parkten und Chin Mae war aus der Tür noch bevor der Motor aus war. Sie rannten zum Flughafenschalter und Chin Mae legte ihr Ticket auf die Ablage. „Wann geht der nächste Flug nach Seoul?“ „In einer Stunde.“ „Gut, buchen Sie um.“ Der Mann warf ihr über seine Brille hinweg einen Blick zu. „Das geht nicht. Ihr Ticket ist…“ „Es ist mir scheiß egal, was mit meinem Ticket ist! Ich werde in diesem Flugzeug sitzen und wenn ich dafür Ihren Vorgesetzten her schleifen lassen muss!“ Der Mann blinzelte ungerührt und Yuki beschloss, einzuschreiten.

Sie schob die Kreditkarte, die ihr Vater ihr für Notfälle gegeben hatte, über den Tisch. Er würde sie dafür umbringen. Ihre Eltern waren in Urlaub und hatten sie mit allem Nötigen versorgt. Die Kreditkarte war für Katastrophen. Yukis erste Katastrophe war gähnende Langeweile gewesen, also hatte sie Chin Mae einen Billigflug gebucht. Das hier war die zweite Katastrophe und diesmal war es egal, wie viel der Flug kostete.

Als Chin Mae ihr Gepäck durchleuchten ließ, wünschte Yuki sie könnte mitfliegen. Sie hätte Jay gerne noch einmal gesehen, auch wenn sie manchmal wünschte, nie auf ihn getroffen zu sein. Er war der Freund ihrer besten Freundin und sie konnte ihn nicht ansehen, ohne daran zu denken, wie es wäre, ihn zu küssen.

Vier Stunden hatte Jay gesagt und die waren so gut wie um. Chin Mae rannte, die Abflugzeiten fest im Blick. Aber wohin schickten sie ihn überhaupt? Nach Hause sicherlich. Doch würde er über New York fliegen oder direkt nach Seattle?

Dann sah sie die Mädchen. Hunderte. Sie hielten Plakate, riefen Jays Namen, umarmten sich und weinten. Sie lief schneller. Durchbrach die Wand aus Fans und wurde von einem Security aufgehalten. „Lassen Sie mich vorbei. Bitte. Bitte, ich muss…“ Der Mann schob sie an den Schultern zurück. Hinter ihm konnte sie Jay sehen. Sie schrie seinen Namen, versuchte sich aus dem Griff zu befreien. Sie schrie bis sie heiser war und wand sich bis sie keine Kraft mehr hatte.

3 1/2 Monate früher

Für Yuki gab es kein anderes Thema mehr. 2PM dies. 2PM das. Jay, Jay und immer wieder Jay. Chin Mae konnte es nicht mehr hören. Ja, sie mochte 2PM. Sie hörte gern die Musik und hatte nichts dagegen gehabt, als Yuki bereits in Japan Tickets für Inkigayo gekauft hatte. Aber die wenigen freien Tage, die sie zusammen gehabt hatten, schienen aus nichts anderem bestanden zu haben und sie war froh, dass sie nun vorbei waren. Einen letzten Abend würden sie zusammen haben, bevor sie bis zum Spätsommer Abschied nehmen mussten. Chin Mae hatte darauf bestanden ins nahegelegene Neorebang zu fahren, Bier zu trinken, anderen dabei zu zusehen, wie sie schlecht sangen und sich selbst zum Affen zu machen.

„Ey, das ist mein Bier!“ rief Chin Mae und griff nach der Flasche. „Kauf dir gefälligst selbst eins“, zischte sie, als sie das Bier zu sich zog. Yuki, die ihre Flasche bereits in der Hand hatte, war blass geworden und Chin Mae drehte sich zu dem vermeintlichen Dieb um. „Hätte nicht gedacht, dass JYP so wenig zahlt, dass ihr euch nicht mal Bier leisten könnt“, sagte sie, denn im Gegensatz zu ihrer Freundin sah sie in Jay keinen unnahbaren Superstar. Er grinste sie entschuldigend an und Chin Mae verstand endlich, was Yuki an ihm fand. Sein Grinsen war amüsiert, ein wenig arrogant, aber offen und mitreißend. Chin Mae musste lächeln und in Jays Augen blitzte es auf, als er fragte: „Muss ich mich als Wiedergutmachung selbst geißeln oder reicht es, wenn ich dir die nächste Runde bezahle?“ Chin Mae warf einen Blick über ihre Schulter, wo Yuki immer noch stand, als wäre sie zu einer Salzsäule erstarrt. „Alle Karaokeräume waren belegt, als wir angekommen sind.“ Jay nahm sein Bier entgegen und zögerte kurz, dann zuckte er mit den Schultern. „Okay, kommt mit.“

„Wolltest du nicht für uns auch Bier mitbringen?“ wurde Jay begrüßt als er die Tür zu dem Neorebangraum aufstieß. „Ich hab was Besseres“, grinste er und winkte die beiden Mädchen hinein.

Es waren nicht alle von 2PM anwesend. Wooyoung sprang mit einem Mikro vor dem Fernseher auf und ab und auf dem breiten Sofa saßen Nichkhun, Taecyeon und Jo Kwon von 2AM.

Chin Mae hob die Hand und grüßte ihn die Runde. Sie hoffte, dass sie und Yuki dann nicht mehr angestarrt werden würden, doch erst als Nichkhun aufstand um die beiden zu begrüßen und ihnen einen Platz anzubieten, schienen auch die anderen Jungs wieder zu sich zu kommen.

Es war einer der merkwürdigsten Abende, die Chin Mae je gehabt hatte. Nachdem Wooyoung mit seinem Lied fertig war, schwiegen alle. Yuki, die sonst immer die erste am Mikro war, traute sich nicht vor 2PM zu singen und Chin Mae, die kaum in Verlegenheit zu bringen war, hielt sich an ihrem mittlerweile leeren Bier fest und versuchte ihre Augen von Jay zu lassen, doch es gelang ihr nicht.

Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, jedes Mal, wenn er sie ansah und das tat er oft, so oft, dass sie irgendwann ein schlechtes Gewissen Yuki gegenüber bekam. Doch das verflog, sie hatte keine Zeit sich um Yuki zu sorgen, weil sie zu sehr damit beschäftigt war, sich jede Kleinigkeit an Jay einzuprägen.

Als der Abend zu Ende war, kannte sie jedes seiner Lachfältchen, wusste, auf welche Art er die Augenbrauen zusammenzog, wenn ihm etwas nicht passte. Auf dem Heimweg begleiteten sie sein Lachen und seine Stimme und als sie im Bett die Augen schloss, sah sie seinen Blick vor sich.

„Toller Abend“, meinte Yuki. „Warum klingst du so? Du hast 2PM gesehen“, erwiderte Chin Mae. Alles, was ich gesehen hab, ist, wie du mit Jay geflirtet hast, wollte Yuki antworten, doch sie wiederholte nur: „Toller Abend, sagte ich doch.“ „Du klingt angepisst.“ „Tut mir leid, ich denk nur daran, dass ich morgen schon wieder in Tokio bin und keine Lust habe.“ Chin Mae nickte abwesend. Sie dachte eigentlich nur daran, ob Jay wie versprochen anrufen würde.

Und das tat er. Er rief an, sobald sie ihr Handy am nächsten Morgen anschaltete, so als hätte er nur darauf gewartet, dass sie endlich wach wurde. Er rief in den nächsten Wochen jeden Tag an. Morgens, kurz vor Auftritten, nach einem Auftritt, wenn er und die anderen im Auto saßen und auf dem Weg zu einem Termin waren und jeden Abend bevor er ins Bett ging.

Sie sprachen miteinander, als hätten sie sich schon immer gekannt. Wie zwei Menschen, die sich zu lange vermisst hatten und jetzt versuchten, innerhalb von Tagen die vergangenen Jahre aufzuholen. Sie erzählten sich alles. Jede Kleinigkeit aus ihren Leben.

Chin Maes Leben erschien ihr unbedeutend. Sie hatte nicht viel zu erzählen. Sie studierte, arbeitete an den Wochenenden in dem Restaurant ihrer Adoptiveltern. Sie kannte keine anderen Eltern als diese. Ihre leiblichen Eltern hatten sie sofort nach der Geburt weg gegeben und sie verspürte nicht das Bedürfnis nach ihnen zu suchen. Meistens erzählte sie von Yuki. Sie hatten sich in der Unterstufe kennengelernt, als Yuki Austauschschülerin gewesen war. Chin Mae hatte sie sofort ins Herz geschlossen. Sie mochte ihre Art, auch wenn sie manchen böse und egoistisch erscheinen konnte. Chin Mae fand eine gesunde Portion Egoismus angebracht und sie und Yuki freundeten sich schnell an. In den Jahren seither sahen sie sich in jeden Ferien und manchmal trafen sie sich auch am Wochenende, wenn Yukis Vater großzügig war und seine Tochter für gute Noten belohnte.

Jay sprach von seinem Leben in den USA, das Chin Mae fürchterlich fremd vor kam. Er erzählte ihr von den Schwierigkeiten, die er gehabt hatte, als er nach Korea kam. Er konnte die Sprache kaum, hatte keine Freunde und seine Familie war weit weg. Er berichtete von den Jahren harten Trainings bei JYP und von dem Moment als er mit 2PM das erste Mal auf einer Bühne stehen durfte.

Chin Mae verspürte so etwas wie Stolz, weil er immer die Zähne zusammen gebissen und sich durchgekämpft hatte und sie spürte Glück, weil sie jeden Tag hörte, wie glücklich er mit dem Leben war, das er gewählt hatte.

Doch als die Tage und Wochen vergingen und sie sich immer noch nicht wieder gesehen hatten, fühlte Chin Mae vor allem Sehnsucht, nagende Zweifel und Angst davor, dass sie sich in etwas verrannte, das nie Zukunft haben würde.

Als er anrief und ihr die Adresse eines Cafes am Ende der Stadt nannte, wollte sie nicht hinfahren. Sie schaltete ihr Handy aus und beschloss, es nie wieder anzumachen.

„Wirst du wohl fahren!“ brüllte Yuki durch den Hörer. „Wenn ich da wäre, würde ich dich hin prügeln! Verdammte Scheiße, Chin Mae, wie lange wartet er jetzt schon auf dich?“ Sie sah auf die Uhr. „Eine Stunde. „Und wie lange brauchst du bis zu diesem Cafe?“ „Eine Stunde.“ Sie hörte Yuki ächzen. „Ruf ihn an und sag, dass du so lang im Bad gebraucht hast.“ „Ja okay“, erwiderte Chin Mae, verließ die Wohnung und ging zu dem Restaurant ihrer Eltern, das gleich auf der anderen Straßenseite lag. Sie wollte ihren Vater nach dem Autoschlüssel fragen, als sie Jay an der Bar lehnen sah.

„Du wolltest nicht kommen“, stellte er fest. Chin Mae nickte und warf ihrem Vater einen Blick zu, der räuspernd in der Küche verschwand. Im Restaurant war es leer. Sie öffneten immer erst um 18 Uhr. Nur ihre Tante war damit beschäftigt die Tische zu dekorieren und scharte ab und an einen Stuhl über den Parkettboden.

Jay stand direkt vor ihr. Er war ein winziges Stück kleiner als sie, aber es störte sie nicht, obwohl sie immer gesagt hatte, dass sie nur einen Mann wollte, der größer war als sie. Er sah ihr in die Augen. Sie waren beinahe schwarz und erschienen ihr traurig. „Du kannst nicht einfach nicht kommen, wenn ich dich darum bitte.“ Chin Mae wollte erwidern, dass er gar nicht erst damit anfangen solle, ihr etwas vorzuschreiben, aber sie konnte nicht. Er hatte Recht. Sie konnte sich nicht von ihm fernhalten, würde es nie wieder können. Denn als Jay ihr weiterhin fest in die Augen sah, war es, als würde etwas in ihr klick machen und sich das letzte fehlende Puzzleteil in ihr Leben fügen, um sie komplett zu machen. Sie öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, doch schwieg, als sie Jays Hand in ihrem Nacken fühlte und er sie an sich zog, um sie zu küssen. Zärtlich, nicht fordernd, sondern bittend.

Yuki hatte mit dem, was sie Monate später sagen würde, Recht. Jay gab sich alle Mühe, die er konnte, um für Chin Mae da zu sein. Er rief weiterhin in jeder freien Minute an und wenn er ein paar Minuten länger Zeit hatte, trafen sie sich. Egal, wo Chin Mae war, sie ließ alles stehen und liegen und eilte zu ihm. Sie sahen sich immer alleine, immer nur heimlich und sie verbrachten jedes Mal zu wenig Zeit miteinander. Manchmal lud er sie zu einer Aufzeichnung von Music Bank oder Inkigayo ein. Er behandelte sie wie einen Fan, wenn andere Fans, der Manager oder Stylisten in der Nähe waren. Aber sobald nur noch seine Freunde von 2PM da waren, behandelte er sie, wie seine Freundin. Er begann sie Mae zu nennen und er sprach es Englisch aus, so dass es beinahe wie „May“ klang, wie der Monat Mai, in dem sie sich kennengelernt hatten.

Egal, wie oft Chin Mae sich bei Yuki ausheulte, dass er Jay ihr zu wenig Aufmerksamkeit schenkte, dass sie nicht versteckt sein wollte, dass sie sich mit ihm auf der Straße zeigen wollte, sie forderte nie etwas davon ein. Sie wusste, dass es nicht anders ging und sie konnte nicht wütend auf ihn sein. Sie vergaß ihren Groll, sobald sie ihn lachen hörte. Sie vergaß ihre Einsamkeit sobald er sie in den Armen hielt und sie vergaß, dass sie sich vorgenommen hatte, ihn zu hassen, sobald er sie küsste. Manchmal vergaß sie diese Dinge nicht sofort, manchmal war sie abwesend und Jay hielt sie etwas fester, so als hätte er Angst, dass sie gehen würde, ihn verließ. „Ich brauche dich“, hauchte er ihr an solchen Tagen ins Ohr. „Das musst du mir glauben. Ich brauche dich. Bitte.“ Er hätte nicht bitten müssen. Chin Mae wusste, dass sie ihn nicht würde verlassen können, es war genauso unmöglich, wie sich das eigene Herz herauszureißen. Auch wenn Jay sie manchmal nervte, wenn er Sachen sagte, die sie auf die Palme brachten, wenn sie ihn anschreien wollte, sich endlich wie ein Erwachsener zu benehmen und er sie „Noona“ nannte, um sie damit aufzuziehen, dass sie 1 ½ Jahre älter war, hatte sie noch nie jemanden so sehr geliebt wie ihn.

Sie fühlte sich, als würde sie auf einem Bindfaden tanzen, der so hoch über dem Boden gespannt war, dass jeder winzige Fehltritt ihr das Genick brechen würde. Doch sie hielt sich sicher, auch wenn es so leicht gewesen wäre, daneben zu treten. Doch solange Jay ihre Hand hielt, wusste sie, dass sie nicht stolpern konnte und nie fallen würde.


3 ½ Monate später


Jay war fort. Jemand hatte den Bindfaden zerschnitten und dabei zu gesehen wie Chin Mae fiel. Sie lag in der Wartehalle des Flughafens auf einer unbequemen Sitzreihe und wartete darauf, dass der Schmerz aufhörte. Ihre Augen und ihre Lunge brannten von all den Tränen, die sie vergossen hatte. Chin Mae war sich sicher noch nie solche Schmerzen gespürt zu haben. Sie kamen von tief innen und fraßen sich nach außen. Es war wie sterben, nur dass es nicht irgendwann aufhörte, sondern immer weiter ging, vielleicht für immer. Es kann nicht schlimmer werden, sagte sie sich immer wieder selbst. „Ab jetzt wird es nur noch besser. Der Schmerz wird weniger. Die Dinge klären sich. Jay kommt zurück. Und wenn nicht, holt er dich nach Seattle. Chin Mae, steh auf.“ Chin Mae hatte das Gefühl als würde sie sich diese Dinge selbst sagen, doch es war Yuki, die sie sagte. Sie erinnerte sich nicht daran, sie angerufen zu haben. „Okay“, sagte Chin Mae, doch blieb liegen und presste fest die Augen aufeinander. Vielleicht würde sie doch einfach sterben und dann musste sie sich keine Gedanken mehr darüber machen, wie sie mit diesen Schmerzen aufstehen sollte. „Chin Mae, bitte, geh nach Hause.“ „Ja okay“, wiederholte sie und legte das Handy neben sich. Sie hörte Yuki noch eine Weile ihren Namen rufen, bis da nur noch das gleichmäßige Tuten in der Leitung war.

Ihre Freundin würde sicherlich ihre Eltern anrufen, aber die waren in Busan bei einem Kochseminar. Gut so, dachte Chin Mae, dann konnte sie einfach hier liegen bleiben. Irgendwann nahm das Stechen in ihrer Lunge ab und die Augen hörten auf zu brennen. Dafür bekam sie pulsierende Kopfschmerzen und der Schmerz begann sich von außen wieder nach innen zu fressen. Zurück zu ihrem Herzen. Und dann spürte sie eine Hand auf ihrem Arm. Sie öffnete die Augen. Es war Nichkhun. Mit sorgenvollem Gesicht beugte er sich über sie. „Ich hab versucht dich anzurufen.“ Er nahm das Handy, das neben ihrem Kopf lag. „Deine Freundin hat sich Sorgen gemacht.“ „Wie hat sie dich gefunden?“ fragte Chin Mae. Nichkhun lächelte: „Sie hat mir getwittert.“ Sie grinste kurz, dann schloss sie wieder die Augen. „Ich hab Kopfschmerzen.“ „Du liegst seit heute Morgen auf drei harten Stühlen“, erwiderte Nichkhun. „Wie spät ist es?“ „Gleich 10.“ „Morgens?“ „Nein, Chin Mae, nachts.“ Sie öffnete wieder die Augen. Nichkhun hatte ihre Tasche über der Schulter. „Ich kann nicht aufstehen“, sagte sie. Er nickte kurz, ging in die Knie und hob sie auf die Arme.

Als Chin Mae in ihrem Bett lag, wollte sie Nichkhun bitten zu bleiben. Er war etwas Vertrautes. Seine Anwesenheit, während er sie gezwungen hatte, etwas zu Essen, hatte den Schmerz zu einem dumpfen Pochen werden lassen. Aber sie war kein kleines Mädchen mehr. Sie wusste nicht, wie man um so etwas bat. Mit der Stille in der Wohnung kehrten die Tränen zurück und der Schmerz hüllte sie ein, wie eine Welle, die sie unter Wasser zog, bis alles dumpf war. Alle Geräusche wurden zu einem Rauschen, der Atem brannte und man hielt die Luft an, damit es endlich vorbei war. Doch es war nicht vorbei. Es war nur die erste Nacht. Nur der Auftakt zu einer Reihe aus Nächten, die die Hölle waren und Tagen, die man nur überlebte, weil andere einen dazu zwangen.

Nichkhun sah ab und an nach ihr. Er sorgte dafür, dass sie nicht vergaß, dass es außerhalb des Schmerzes noch ein Leben gab. Er ging mit ihr spazieren, er schenkte ihr CD´s und sie saßen in ihrem Zimmer und hörten sie. Er brachte ihr Bücher und Filme aus der Bibliothek mit. Nie Liebesgeschichten, nie romantische Komödien. Sie sahen sie zusammen oder sie saßen nachmittags in dem leeren Restaurant hinter der Bar, mit dem Rücken an der Wand, aßen Kekse, die Chin Maes Mutter gebacken hatte und lasen sich vor. Er erzählte nie von 2PM, auch dann nicht, als sie ihr Album zu sechst herausbrachten. Er verlor nie ein Wort über Jay und Chin Mae fragte nicht. Sie fragte nicht, ob er sich bei den anderen meldete, warum er sie nie anrief, warum er nicht auf ihre Emails antwortete und nicht auf den Brief, den sie an die Adresse geschrieben hatte, die man ihr bei der Auskunft gegeben hatte. Sie rief auch bei der Nummer an, aber das Telefon war abgestellt. Im Herbst schenkte er ihr ein Ticket nach Tokio und Chin Mae besuchte Yuki.

Der Schmerz war weniger geworden. Nur manchmal schlich er sich heimtückisch an und lachte sie aus, weil sie versuchte, das fehlende Puzzleteil ihres Lebens zu ignorieren. Es ließ sich nicht ignorieren. Es hatte ein kleines, scharfkantiges Loch hinterlassen, an dem Chin Mae sich jeden Tag schnitt, so dass sich Narbe über Narbe legte, bis sie am Ende betäubt war und sich manchmal fragte, ob es schlimmer werden konnte oder ob sie einfach nie wieder würde etwas spüren können.

Als sie im Dezember vor Jays Tür stand, wusste sie, dass es schlimmer sein konnte. Ja, sie war gefallen, aber sie war nicht zerschmettert. Der Sturz war beinahe sanft gewesen und die Schmerzen lächerlich im Vergleich zu dem, was auf sie wartete.

Sie klingelte. Mit bebendem Herzen und zitternden Knien. Eine Frau öffnete, sie hatte einen Teller in der Hand, den sie fallen ließ, als sie Chin Mae sah. „Oh mein Gott“, stieß Jays Mutter hervor. Sie sah ihrem Sohn nicht ähnlich, aber etwas in ihrem Gesicht kam Chin Mae vertraut vor. „Wie hast du uns gefunden?“ Chin Mae verstand die Frage nicht und das, obwohl Jays Mutter Koreanisch mit ihr sprach. „Wo ist Jay?“ fragte sie. „Ich möchte zu Jay.“ Die Frau starrte sie an, wie einen Geist. „Komm rein, bitte.“ Chin Mae stieg über die Scherben hinweg, die in den nächsten Stunden niemand wegräumen würde und folgte ihr ins Wohnzimmer.

Es war ein kleiner Raum. Spärlich eingerichtet. Aber gemütlich. Mit Familienbildern auf dem Tisch und in den Regalen. Chin Mae setzte sich. „Willst du etwas trinken?“ Sie nickte und bekam eine Cola gebracht. Jays Mutter setzte sich ihr gegenüber. Sie knetete ihre Hände und musterte Chin Maes Gesicht eindringlich. „Du hättest anrufen sollen.“ „Das habe ich, das Telefon ist abgestellt.“ „Oh ja, wegen der Presse und den Fans“, erwiderte die Frau nachdenklich. „Oder schreiben“, sagte sie dann. „Ich habe geschrieben. Es kam keine Antwort.“ Chin Mae fragte sich, warum Jays Mutter mit ihr sprach, als würde sie sie kennen. Hatte Jay von ihr erzählt? Wollte er sie nicht sehen? „Wo ist Jay? Ich möchte mit ihm sprechen“, wiederholte sie ihr Anliegen. „Woher kennst du Jay?“ fragte seine Mutter. „Er ist mein Freund“, antwortet Chin Mae und fügte in Gedanken hinzu: oder war. Jays Mutter schlug erschrocken die Hand vor den Mund. Ihre Augen waren geweitet. Ihre Hand zitterte und sie macht ein Geräusch, das wie eine Mischung aus Würgen und Schluchzen klang.

„Was ist denn hier passiert?“ ertönte Jays Stimme aus dem Flur. Chin Mae wollte aufspringen und ihm entgegenlaufen, doch das Entsetzen in dem Blick seiner Mutter schien sie zu lähmen. Dann erschien sein Kopf in der Tür.

„Mae“ rief er überrascht.

Sie hatte ihn zur Begrüßung wüst beschimpfen wollen. Sätze wie: „Du blödes Arschloch! Wie kannst du dich einfach drei Monate lang nicht bei mir melden? Ich hab wegen dir so sehr gelitten! Ich bin nur hier um dir zu sagen, dass ich dich hasse und es vorbei ist“, erschienen ihr angebracht.

Aber seine Augen, in denen sich Trauer über das, was er verloren hatte und Freude über Chin Maes Anblick mischte, ließen all das lächerlich erscheinen.

Jay machte einen Schritt auf sie zu, doch hielt inne, als er den Blick seiner Mutter sah. „Was ist los?“ fragte er irritiert. Chin Mae wartete die Antwort nicht ab, endlich konnte sie aufspringen und sie flog Jay in die Arme, der ihr ins Ohr lachte und sie an sich zog. Er küsste die Schläfe dicht neben ihrem Ohr, dann streiften seine Lippen ihre Wange und berührten ihren Mund. Der letzte Rest des Schmerzes war fort, so als wäre er nie dagewesen. Chin Mae wartete auf das vertraute Klicken. Das Puzzleteilchen wollte sich gerade einfügen, als Jays Mutter aufstand. „Setzt euch, Kinder, bitte.“ Ihre Stimme war so leise, dass Chin Mae sie kaum verstand.

Jay sah besorgt von seiner Mutter zu ihr und zog sie dann neben sich auf die Couch. Chin Mae und er hielten sich an den Händen und Chin Mae erinnerte sich daran, wie sie geglaubt hatte, nie fallen zu können, wenn er sie festhielt. Sie hatte nur nicht daran gedacht, dass sie gemeinsam fallen konnten.

Die Worte von Jays Mutter waren wie ein Traum, ein schrecklicher Albtraum. Sie hätten wie eine Lüge klingen sollen, aber das taten sie nicht. Jedes Wort war wahr. Schwarz auf weiß stand es vor ihnen, auf dem Papier, das ihre Mutter aus einem Schubkasten holte und vor sie legte. Chin Mae fiel und diesmal zerschmetterte sie. Sie kam so hart in der Realität auf, dass sie nicht weinen konnte, sie konnte auch nicht sprechen. Wahrscheinlich atmete sie nicht einmal mehr. Diesmal war sie gestorben, auch wenn ihr Körper weiter existierte. Alles brach zusammen. Das gesamte Puzzle, ihr ganzes Leben. Alles zersplitterte und bohrte sich in ihr Herz. Als Jay seine Hand aus ihrer zog, wickelte sie die Arme um sich, um das bisschen, was von ihr noch übrig war, zusammen zu halten.

Chin Mae sah zur Seite, sah Jays Profil. Es war hart, unnahbar, vertraut und doch so fremd. Sie wollte nach seiner Hand greifen, doch er stand auf und verließ schweigend den Raum. Chin Mae beugte sich nach vorne, presste die Arme dichter an ihren Körper. Was war die angebrachte Reaktion auf diese Offenbarung? Sie wusste es nicht. Sie erhob sich, mit weichen Knien und verließ das Wohnzimmer, schließlich das Haus. Als sie die Stufen hinunter ging und den Weg entlang, blieb sie stehen. Es gab nur eine passende Reaktion. Sie beugte sich über das Beet und übergab sich.

Mit jeder Faser ihrer Seele wünschte Chin Mae sich, sich nie in Jay verliebt zu haben, nicht so. Sie spürte seine Hand, die ihr sanft die Haare aus dem Gesicht strichen, während sie sich über den Mund wischte und endlich verstand, warum sich ihr erstes Treffen mit Jay angefühlt hatte, als würde sie nach Hause kommen.

„Besser?“ fragte er leise. „Nein“, erwiderte sie und richtete sich auf. Sie konnte ihn nicht ansehen. Nicht nachdem, was sie jetzt wusste. Wie leicht es geklungen hatte, das, was alles auf den Kopf stellte und wie wenig Worte man es kleiden konnte: „Jay ist mein Bruder. Unsere Eltern haben mich weggeben, weil sie zu arm waren, um ein Kind groß zu ziehen. Sie wollten, dass ich eine gute Zukunft habe. Dann sind sie nach Amerika gegangen, dort wurde ihr Leben besser und Jay kam zur Welt.“

Chin Mae saß auf einem Hotelbett, als sie Yuki genau das sagte. Sie hatte nicht in dem Haus bei Jay bleiben können. Sie würde seine Eltern nie als ihre akzeptieren. Sie hatte Eltern. Sie hatten sie groß gezogen. Sie liebten sie. Sie brauchte nach 23 Jahren keine neuen Eltern. Yuki schwieg. Es war ein entsetztes Schweigen. Es gab auch nichts zu sagen. Jays Eltern hatten nichts mehr zu sagen gehabt. Chin Mae hatte nichts zu ihnen gesagt, außer: „Danke für das Essen.“ Jay hatte den ganzen Abend geschwiegen. Er hatte neben ihr gesessen und war doch so weit weg gewesen, wie nie zuvor. Zum Abschied hatten sie sich umarmt, unter den wachsamen Augen seiner Eltern. Chin Mae hatte versucht, ihn wie einen Bruder zu umarmen, aber sie wusste nicht, wie das ging. Sie hatte sich an ihn geschmiegt und seinen warmen Atem gespürt, seinen Herzschlag gefühlt und es hatte für einen Augenblick die Leere gelindert.

Yuki räusperte sich: „Habt ihr eigentlich jemals...ich meine…“ „Gott, nein!“ rief Chin Mae und dankte Gott zumindest in Gedanken auf Knien dafür, dass Jay und sie in den knapp vier Monaten nie die Gelegenheit gehabt hatten, miteinander zu schlafen.

Chin Mae verließ am nächsten Tag Seattle. Zu Hause fragten ihre Eltern nicht, was in den USA passiert war. Sie dachten wahrscheinlich nur, Jay hätte sie nicht sehen wollen und sie hätte Liebeskummer und Chin Mae schwieg. Ihre Eltern hatten Jay als ihren Freund akzeptiert. Er war zum Abendessen gekommen. Sie hatten ihn und Chin Mae zusammen erlebt, als Paar und Chin Mae konnte und wollte ihnen nicht sagen, wie schrecklich all diese Momente im Rückblick waren.

All diese tragischen Liebesgeschichten, die Yuki und sie so gern im Kino gesehen hatten, über Menschen, die sich in den Falschen verliebten. Sie waren nicht tragisch. Sie waren lächerlich und Chin Mae konnte nicht verstehen, wie sie sich nach so einer Liebe hatte sehnen können.

Das Leben in Seoul ging weiter. Irgendwie. Die Winterferien kamen und mit ihnen Yuki. Mit ihr zusammen gelang es Chin Mae nach und nach einige Splitter ihres Lebens aufzusammeln und wieder zusammenzufügen. Sie heilte nicht, noch nicht. Jay kehrte nach Korea zurück. Er rief nicht an. Nichkhun war es, der bei ihr vorbeikam. Sie saßen mit dem Rücken an der Wand hinter der Bar und schwiegen.

„Jay hat es mir gesagt“, räusperte er sich irgendwann. „Ah“, machte Chin Mae. „Er liebt dich, weißt du. Er hat dich von Anfang an mehr geliebt als eine…Freundin. Er braucht dich.“ „Glaubst du, ich brauche ihn nicht?“ gab Chin Mae scharf zurück. „Er denkt, du willst ihn nicht sehen“, fuhr Nichkhun fort. „Ich glaube, das will ich auch nicht.“ „Chin…“ „Nichkhun, bitte. Du bist Jay ein guter Freund und du warst da, als ich einen Freund gebraucht habe. Aber ich möchte jetzt nicht mehr darüber reden. Bitte.“ Er legte ihr die Hand aufs Knie und stand auf. „Ruf an, jederzeit. Und komm vorbei, wenn es dir möglich ist.“

2PM brachten im Frühling ein Album heraus. Wieder zu siebend. Yukis Vater ließ sich erweichen und schenkte ihr ein Wochenendticket und Chin Mae ließ sich überreden und begleitete sie zur Debütperformance.

Es war seltsam Jay auf der Bühne zu sehen und sie hielt es nicht lange aus. Sie verließ die Halle noch bevor das Lied zu Ende war. Yuki kam nicht, auch als die anderen Fans bereits auf dem Weg nach Hause waren, blieb Yuki fort. Chin Mae verlor die Geduld und machte sich auf den Heimweg bis sie eilige Schritte hinter sich hörte. Ihre Freundin drückte ihr einen Zettel in die Hand. „Von Jay“, schnaufte sie. „Er hat dich gesehen und wollte dich backstage holen, aber da warst du schon fort.“ Chin Mae steckte den Zettel in die Tasche. „Lies ihn. Er fehlt dir doch und du fehlst ihm, das konnte ich ihm ansehen. Was auch immer er ist, was auch immer ihr in Zukunft für einander sein werdet, ihr liebt euch.“

Chin Mae las die Nachricht als sie in ihrem Bett lag und Yuki schlief. Es war nur ein Wort „Noona.“ Sie weinte und merkte, wie sie mit jeder Träne langsam zu heilen begann. Die Scherben, die sie zusammen mit Yuki zu sammeln begonnen hatte, schnitten nicht mehr in ihre Haut. Das Puzzle ergab langsam wieder ein Bild. Nur dieses eine winzige Teil wollte nicht passen.

Am nächsten Morgen rief Jay an. Er klang vorsichtig, zaghaft. „Ich bin am Flughafen“, sagte sie. „Grüß Yuki“, erwiderte er. Yuki, die ihr Ohr an den Hörer gelegt hatte, lächelte und drückte Chin Mae an sich bevor sie auf das Gate zu ging. „Kannst du nachher in die WG kommen?“ „In eure WG? Ich darf doch nicht…“ Jay lachte leise: „Du bist meine Schwester. Ich denke schon, dass du darfst.“ Chin Mae zuckte leicht zusammen, als sie ihn das sagen hörte. Es war immer noch fremd, aber nicht mehr falsch. „Bin gleich da“, sagte sie, machte auf dem Absatz kehrt und eilte zu Jay.

Sie saßen den ganzen Vormittag in seinem Zimmer auf dem Boden. Nur ab und an gestört von Junho, der irgendetwas suchte oder einfach nur nerven wollte.

Sie sprachen miteinander, als hätten sie sich schon immer gekannt und würden sich doch in diesem Augenblick erst kennenlernen. Sie kannten das Leben des anderen, aber sie versuchten herauszufinden, welchen Platz sie nun darin haben konnten. Sie legten alles offen, jede Angst, jede Unsicherheit, jedes Gefühl. Sie lernten, sich mit anderen Augen zu sehen.

Zum Mittagessen kochten sie Ramen und aßen mit den anderen im Wohnzimmer. Der Manager kam dazu. Er kannte einen Teil der Geschichte, nannte Chin Mae amüsiert „verlorene Schwester“ und hatte Gott sei Dank nie mitbekommen, dass Chin Mae schon vor der vermeintlichen Familienzusammenführung ein Teil von Jays Leben gewesen war. Die anderen behandelten sie wie immer, wie ein Teil von Jay. Und da begriff Chin Mae, dass es das war, als was sie sich immer gefühlt hatte. Nicht als Jays Freundin. Sondern ein Teil von ihm.

Als sie sich zum Abschied umarmten, machte es leise klick und das Puzzle war perfekt. Es dauerte trotzdem noch eine ganze Weile, bis sie sich in die neuen Rollen gefügt hatten, bis der Umgang miteinander vertraut war, ohne merkwürdig zu erscheinen.

Im Spätsommer kam Yuki nach Seoul und Chin Mae wusste, dass ihre Freundin sie und Jay beobachtete und sich erst entspannte, als sie sah, dass sie beinahe wirklich wie Geschwister miteinander umgingen. Es dauerte ein paar Tage bis Chin Mae auffiel, was Yuki zu verbergen versuchte. Sie flirtete mit Jay und er erwiderte es. Sie tuschelten manchmal leise miteinander, lachten und schwiegen ertappt, wenn jemand in ihre Richtung sah. Chin Mae wartete auf Eifersucht, aber da war keine. Yuki war Familie und da sie Jay sogar dann noch zu mögen schien, wenn er nervte, konnte er kaum eine bessere finden.

Als der Herbst endete, hatten 2PM Termine in Tokio. Zeit und Gelegenheit Yuki zu treffen, doch sie taten es nicht. „Warum triffst du Jay nicht?“ fragte Chin Mae am Telefon. „Weil… du…“ „Yuki!“ Chin Mae musste beinahe lachen. „Jay und ich waren nur einige Wochen zusammen und das ist fast eineinhalb Jahre her, das allein wäre für mich Grund genug, deinem Glück nicht im Wege zu stehen. Aber er ist auch noch mein Bruder. Siehst du, ich kann es endlich sagen. Jay ist mein Bruder und er ist der beste Bruder, den ich mir vorstellen kann. Ganz ehrlich, als Bruder ist er echt besser. Als Freund hätte ich ihn irgendwann zum Mond geschossen, weil er mir so auf den Keks gegangen wäre.“ Chin Mae lachte: „Das heißt nicht, dass du ihn irgendwann zum Mond schießen darfst. Du hast die heilige Pflicht verdammt noch mal jede seiner nervigen Eigenarten zu lieben.“ Yuki schwieg einen Moment, dann sagte sie: „Ich leg jetzt auf, vielleicht erwisch ich sie noch bevor sie zum Fanmeeting fahren.“

„Ist es nicht doch noch manchmal komisch“, fragte Nichkhun, als er sich neben Chin Mae stellte und sie beobachteten, wie Jay und Yuki sich unter dem Mistelzweig, den Taecyeon amüsiert über sie hielt, küssten. „Nein“, antwortete sie, doch gab dann zu: „Doch, manchmal schon.“ Nichkhun lächelte und Chin Mae machte einen Schritt zurück, als Taecyeon mit dem Zweig auf sie zu kam. „Hier wird nicht gezickt“, brummte er. Nichkhun grinste sie entschuldigend an und wandte sich ihr zu. Als er sich zu ihr beugen wollte, stoppte sie ihn, indem sie ihm die Hand gegen die Brust legte. „Besteht die geringste Chance, dass du auch noch mein Bruder sein könntest?“ Taecyeon ließ den Mistelzweig sinken, doch anscheinend fand er den Witz als einziger nicht gut. Jay prustete los und Yuki stimmte nach einer Schrecksekunde mit ein. Nichkhun grinste: „Hast du etwa vor dich in mich zu verlieben?“ Chin Mae lachte: „Vielleicht. Man weiß ja nie.“ Nichkhun zwinkerte ihr zu, beugte sich zu ihr und küsste sie beinahe flüchtig auf den Mund. Auf ihren Lippen blieb ein wohliges Kribbeln zurück, welches das kaum merkliche Kribbeln in ihrem Bauch reflektierte. Das war anders als bei Jay, es war nicht, wie nach Hause zu kommen, es drängten sich ihr nicht sofort Worte wie Liebe auf. Es war normal. So bedeutend und unbedeutend wie jeder andere Kuss auch.

Taecyeon zog zufrieden weiter, um Chansung und Junsu zu einem Kuss zu zwingen und Chin Mae ließ den Blick durch das Restaurant ihrer Eltern wandern. Es war Weihnachten und alle waren hier, die ihr etwas bedeuteten. Jay hatte nicht einmal gefragt, ob er seine Eltern einladen konnte. Er hatte akzeptiert, dass sie für Chin Mae nicht existierten. Ihre Mutter lächelte zu ihr hinüber. Chin Mae hatte ihren Eltern die Wahrheit gesagt, nachdem sie wusste, dass Jay und Yuki zusammen waren. Sie war nach Hause gekommen und hatte gesagt: „Yuki geht mit Jay.“ „Oh Schatz“, hatte ihre Mutter begonnen, doch Chin Mae hatte sie unterbrochen: „Das ist schon richtig so. Yuki ist wie eine Schwester und was wäre da besser, als wenn sie mit meinem Bruder geht.“ Ihre Eltern hatten sie fragend angestarrt und sie hatte sich hingesetzt und ihnen alles erzählt. In ihren Blicken lag das gleiche Entsetzen, wie in dem Blick von Jays Mutter, aber es verschwand, als Chin Mae geendet hatte. Sie hatte nichts ausgelassen, auch nicht, dass sie nie wieder ein Wort darüber verlieren wollte. Und so feierten sie dieses Weihnachten mit Freunden und als Familie, die Zuwachs bekommen hatte.

„Das ist eine Liebesgeschichte“, stellte Nichkhun fest, als Chin Mae ihm das Buch in die Hand drückte und sich neben ihn auf den Boden setzte. Im Restaurant hörte man nichts außer den Geräuschen in der Küche, wo ihr Vater die Warenlieferung sortierte. Es war noch früh. Ihre Tante würde erst in einigen Stunden kommen, um die Tische zu decken. Sie nickte. „Ich kenn auch das Ende. Ich hab den letzten Satz gelesen.“ Nichkhun wandte ihr das Gesicht zu. „Wie lautet er?“ „Sie gingen nach Hause.“ Er lächelte und schlug das Buch auf. „Ein schönes Ende“, sagte er. „Ja“, erwiderte sie und legte ihren Kopf an seine Schulter. „Khun? Ich glaube, ich bin ganz froh, dass du nicht mein Bruder bist.“ Er lachte leise und legte den Arm um sie. „Fangen wir doch erst einmal am Anfang an, bevor wir zum Ende kommen.“ Da war immer noch das Lachen in seiner Stimme als er zu lesen begann: „Als sie ihn traf, nahm sie ihn nicht wahr. Für sie gab es nur diesen anderen Mann, mit den blitzenden Augen und dem ansteckenden Lachen. Er jedoch war zu höflich, zu unaufdringlich, um in ihr Bewusstsein vorzudringen, geschweige denn in ihr Herz.“ Nichkhun hielt inne und sah sie an. „Lies weiter“, lächelte Chin Mae. „Ich will wissen, wie es weiter geht.“ „Du hoffst, dass es dramatisch wird“, grinste er. „Ja, weil ich jetzt weiß, dass es für alle ein Happy End gibt. Also lies schon.“ Und Nichkhun las, bis es an die Scheibe klopfte und Jay und Yuki Grimassen am Fenster schnitten. Da klappte er das Buch zu und sie gingen hinaus zu ihren Freunden. Das Buch vergaßen sie, weil das Leben begonnen hatte vier eigene Geschichte zu schreiben.
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YooMi
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BeitragThema: Re: [Fan Fiction] Please Don´t Love Me   Fr Feb 12, 2010 9:56 pm

omg ich liiiiebe es TT^TT <3<3!!!
werd 2PM schriftstellerin Razz!

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BeitragThema: Re: [Fan Fiction] Please Don´t Love Me   Fr Feb 12, 2010 9:59 pm

ich hab die story ja shconmal helesen und du weißt das ich sie liebe x'D jay gehört mirr *______________*
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[Fan Fiction] Please Don´t Love Me
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