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 [Fan Fiction] Alles

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heavenj
Nichkhuns Noona
Nichkhuns Noona
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Anzahl der Beiträge : 47
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BeitragThema: [Fan Fiction] Alles   Mi Feb 17, 2010 4:16 am

Wozu schlafen, wa? Wink

Alles

I didn't need to ask or even wonder why, because each question is answered when your near.
and I'm wise enough to know when a miracle unfolds, this is the last time i'll fall in love

The Last Time / Eric Benett

Du siehst auf deine blutigen Hände. Blut auf dem Fußboden. Dem hellen Parkett, das mir an der Wohnung so gut gefallen hatte. Die Scherben des gläsernen Engels, den du uns geschenkt hast, liegen wie funkelnde Diamanten verstreut. Ich stehe hinter dir. Tränen auf meinen Wangen. Schmerz in meiner Brust. Du hast den Kopf gesenkt. Schweigst. Ich sehe wie du atmest. Schwer, müde. Du hast dich an den Scherben meines Lebens geschnitten, welches unseres hätte sein sollen. Ich lege die Arme um mich, halte mich an mir fest, versuche mich zusammenzuhalten. Ich könnte zerbrechen, wie der Engel, das weiß ich. Ich erinnere mich an das erste Mal als ich dich gesehen habe.

Du kanntest mich nicht. Dein Blick wanderte nur kurz über mich, bevor du dich anderen zu wendetest. Aber ich kannte dich. Ich hatte dich so oft gesehen, dass dein Äußeres mir vertraut war. Ich glaubte, auch dein Inneres zu kennen und so stand ich vor dir und sagte: „Ist dir schon einmal ein Mensch begegnet, dem deine Seele gehörte, noch bevor er das erste Wort mit dir gesprochen hat?“ Die Menschen, die um dich herum standen, lachten. Du lachtest nicht. Du hast mich nur angesehen. In unzähligen Selbstgesprächen hatte ich mich dir offenbart. Ich hatte dir all das mitgeteilt, was ich niemandem sagen konnte. Stumm, manchmal auch halblaut, hatte ich dir von mir erzählt. Als ich vor dir stand, wusstest du nichts über mich, aber du ahntest genug, um mir deine Hand zu reichen. „Ich bin Nichkhun“, sagtest du. Ich nannte dir meinen Namen und du lächeltest. Du wurdest mein bester Freund. Weil ich dir alles schon einmal gesagt hatte, fiel es mir so leicht, mich dir anzuvertrauen. Bald kanntest du jeden Traum, jede Angst, jeden dunklen Fleck in meinem Herzen. Du warst genauso, wie ich mir dich vorgestellt hatte. Sogar noch besser. Du warst echt. Du warst nicht nur ein schwaches Bild in meinem Kopf, ein schweigendes, unbewegliches Bild. Du warst eine Stimme, ein Lachen, ein Herzschlag unter meiner Hand. Du warst eine Schulter zum Anlehnen, zwei Arme zum Fallenlassen. Das schönste Lächeln. Die ehrlichsten Augen. Du warst der Spiegel, in dem ich mich sehen wollte. Du warst der Mensch an meiner Seite und dann betrog ich dich. Denn du warst nie das nervöse Kribbeln im Magen, die zitternden Knie, die schwitzigen Hände, die geröteten Wangen. „Taecyeon ist ein guter Freund“, hast du zu mir gesagt. „Sei nett zu ihr“, sagtest du zu ihm. Er war nett. Nach vier Monaten zog ich bei ihm ein, drei Monate später kauften wir uns die Wohnung, auf deren Boden dein Blut feine Muster malt. Du wolltest, dass ich glücklich bin und du wusstest, dass er es war. Du sahst zu, wie wir eine Zukunft planten, über die ich nie mit dir gesprochen hatte. Wir heirateten im Herbst. Man gratulierte uns mit Neid in den Augen. Wir waren ein Traumpaar. Du trugst einen hellen Anzug. Ich wünschte mir, dass du Klavier für uns spielst. Du sangst „The Last Time“, doch ich verstand nicht, dass du es nur für dich sangst. Ich hatte dir das Herz gebrochen, ohne es zu wollen, ohne es zu wissen. Du hattest verloren. Du hattest geglaubt, dass jedes Mal, wenn ich sagte, dass ich dich liebte, es genauso meinte, wie du es empfandest. Ich liebte dich immer mehr als ihn, das wusstest du, aber ich liebte dich nie wie ihn. Du hast nie versucht, mehr zu sein als ein Freund und ich habe nie geglaubt, dass du es wolltest. Bei all den Worten, die wir sprachen, vergaßen wir immer die wichtigen.

Als du aufstehst und die Scherben unter deinen Füßen leise knirschen, hallen deine Worte durch meinen Kopf.

Was willst du, dass ich dir sage? Dass ich dich nie alleine lassen würde, dass ich immer bei dir wäre, abends nie zu spät nach Hause kommen würde? Dass du mir nie etwas erklären müsstest, weil ich alles in deinen Augen lesen kann? Dass du nie zweifeln müsstest, weil du sehen könntest, wie sehr ich dich liebe, jeden Tag mehr, wenn du nur einmal richtig hinsehen würdest? Dass ich dir jeden unausgesprochenen Wunsch erfüllen, dich auf Händen tragen würde? Dass du dich nie verloren fühlen würdest, weil ich dich überall finden würde, selbst an den dunkelsten Orten? Dass ich dich immer lieben werde, immer, selbst, wenn mein Herz aufhört zu schlagen? Dass ich mir wünsche, dass er dich verletzt, dass er dir das Herz bricht, so sehr, dass du dich nie wieder neu verlieben kannst, damit du endlich spürst, wie es mir geht? Willst du das hören?

Ich wollte es nicht hören. Nicht jetzt, weil es Salz in die Wunden meines gebrochenen Herzens streute. Taecyeon betrog mich nicht. Er war gut zu mir. Aber er sah mich nicht wie du mich sahst. Er kannte mich nicht, so wie du mich kanntest. Er war nie in meine Schatten eingetaucht. Er hatte nie den tiefsten, traurigsten, einsamsten Punkt meiner Seele berührt. Du warst immer noch der, dem ich in stummen Zwiegesprächen mein Innerstes preisgab. Nur warst du nicht mehr da, um zu lächeln, um zu antworten, um mich zusammen zu halten.

Du hattest verloren. Als die letzten Takte von „Last Time“ verklungen waren, verließt du mich. Du warst auf unserer Hochzeitsfeier. Du kamst uns besuchen. Du erschienst zu Geburtstagen, an Weihnachten und Neujahr. Aber du warst nie wirklich da. Du hattest mir das Selbstverständlichste in meinen Leben entzogen: Deine Liebe.

Eine Weile ersetzte ich sie durch Taecyeons. Eine Zeitlang überstrahlte unser Glück die Leere, die du hinterlassen hattest. Ich schwebte über allem, das mich hätte verletzen können. Dann kehrte der Alltag ein, das Leben ging weiter. Die Uhren tickten in der Stille. Dein Schweigen dehnte sich aus. Bei jedem deiner Besuche versuchte ich an das anzuknüpfen, was wir hatten. Doch es war, als hätte es nie etwas anderes zwischen uns gegeben, als freundliche Distanz. Ich war die Frau deines Freundes und nicht mehr das Mädchen, das morgens auf deinem Fußboden aufgewachte, nachdem es dir die ganze Nacht von ihren großen Träumen erzählt hatte. Du hattest mir meine Seele zurückgegeben, damit ich sie Taecyeon schenkte. In seinen Händen sah sie klein und verloren aus. Zitterte ängstlich, weil sie ihm vorgemacht hatte, perfekt zu sein und fürchtete, er könne die Wahrheit erkennen.

Meine stummen Gespräche mit dir führten zu nichts und so begann ich zu schweigen und dann zaghaft, Taecyeon die Dinge zu erzählen, die ich dir sagen wollte. Er war überfordert. Die Worte waren ihm zu groß. Die Abgründe zu tief, obwohl er nie hineinsah, sie immer nur aus der Ferne erahnte. Irgendwann hing meine Seele zwischen uns, wurde zu etwas, das uns voneinander trennte.

Was willst du?, fragte er. „Alles“, antwortete ich. „Alles, Taecyeon, ich will alles. Alles!“ Ich schrie. Ich wusste nicht, was dieses Alles sein sollte. Ich wusste nur, dass es mehr war, als das, was ich hatte. Mehr als das, was er mir geben konnte. Ich hatte alles von ihm. Alles. Und ich begriff, dass ich dieses Alles gar nicht wollte. Mir hätte ein bisschen gereicht. Ein bisschen von dir.

Als du vor unserer Tür standest, um zu sagen, dass es dir leid tat, um zu behaupten, dass du nichts von dem, was du gesagt hattest, meintest, um unsere Ehe mit einer Lüge zu retten, begriff auch er. Unsere gemeinsamen Jahre zerbrachen. Unspektakulär. Stumm. Bis auf den Scherbenregen, der sich ergoss, als Taecyeon ging und der Engel hinter ihm zu Boden glitt.

Ich nehme deine Hände. Die Schnitte sind so winzig, so fein, dass es unvorstellbar ist, dass so viel Blut aus ihnen kommt. Ich sehe dich nicht an, blicke nur auf deine Hände, die zitternd in meinen liegen. Ich möchte etwas sagen, aber ich fürchte, dass jedes unbedachte Wort das winzige Bisschen zerstört, das mich zusammen hält. Ich habe Angst, dass ich nie wieder ganz sein werde, wenn ich jetzt zerbreche. Du schweigst. Vielleicht hält auch dich noch irgendetwas zusammen, vielleicht bist auch du nicht ganz zersplittert, als dein Herz brach.

Ich hebe meinen Blick und treffe deinen. Ich sehe hin. Endlich sehe ich richtig hin. Ich sehe in dich hinein und lasse nicht nur dich, in mich blicken. Da sind dunkle Schatten auf deinem Herzen. Einsame Winkel in deiner Seele. Da ist Angst, Verletzung und Wut. Und an dem tiefsten, einsamsten Punkt deines Ichs pulsiert verschüchtert die Liebe.

„Ich kann mich nie wieder verlieben“, sage ich leise. Die Worte tasten sich vorsichtig an uns heran. Du willst wegsehen, aber du kannst es nicht. Du liest in meinen Augen. Ich muss nichts erklären. Ich habe dich immer mehr geliebt als ihn. Unsere Liebe brauchte kein nervöses Kribbeln, keine geröteten Wangen, keine zitternden Knie um auf sich aufmerksam zu machen. Sie musste nicht vorgeben etwas zu sein, was sie nicht wahr. Sie musste nicht so tun als wäre sie groß, als könnte sie ewig sein. Sie war einfach. Sie ist. Sie ist wie der Atem, wie der Herzschlag. Sie gehören zu uns. So natürlich, dass wir nicht über sie nachdenken, dass wir sie erst wahrnehmen, wenn sie aus dem Takt geraten sind, wenn sie uns daran erinnern, wie wichtig sie sind, wie kostbar das Leben ist, das sie möglich machen. Sie sind nie wieder selbstverständlich. Nie wieder, nachdem wir sie einmal verloren haben. „Weil ich immer nur dich geliebt habe“, flüstere ich. Immer, schon als du nur eine Vorstellung in meinem Kopf gewesen bist und mit jedem Tag mehr, durch jeden Schmerz stärker. Ich vertraue dir meine Seele an. Noch einmal. Und du vertraust mir. Wir werden lange brauchen, bis wir nicht mehr bei jeder Unachtsamkeit zusammen zucken. Bis mir nicht mehr vor jedem falschem Atemzug, vor jedem zu stürmischen Herzschlag, Angst haben. Sehr lange, bis wir nicht jeden Augenblick daran denken, wie schnell alles vorbei sein kann. Bis wir wieder leben können, ohne daran zu denken, wie flüchtig es ist. Wir müssen wieder lieben lernen. Bis zu dem Tag, an dem wir nicht mehr vor den Schatten, die der andere birgt, zurückschrecken. Bis wir alles haben und wissen, was dieses Alles ist. Es ist das bisschen, was uns von den anderen unterscheidet.
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